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Benjamin Gasser, Autohaus Ford Gaberszik

100 Jahre Autohaus Gaberszik: Familienbetrieb in vierter Generation

Gründung
· · Aktualisiert am · ca. 6 min Lesezeit

Wie die Familie Gaberszik seit 1925 mit ihrem Autohaus die Herausforderungen von Wirtschaftskrisen bis E-Mobilität meistert.

Im Oktober 1925 wagt sich August Gaberszik in die Selbstständigkeit und gründet seinen eigenen Mechanik-Betrieb. Heute führen die Enkeltöchter Maria und Sonja mit der Marke Ford ein Haus, das zu den größten Autohändlern der Steiermark zählt. Die Geschichte einer Familie, die viele Herausforderungen und Schicksalsschläge überdauerte.

Sonja (l.) und Maria Gaberszik übernahmen 1987 nach dem plötzlichen Tod des Vaters das Autohaus. Die Unterzeichnung des Händlervertrages mit Ford folgt 1993: „Wir haben das Potenzial gesehen und gewusst, dass wir mehr machen können.“

GRAZETTA • Die Steiermark verzeichnet bei den Kfz-Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2025 ein Plus von 9,7 Prozent. Kann man somit auch im hundertsten Jahr seit Gründung des Autohauses von einer erfolgreichen Entwicklung sprechen?MARIA GABERSZIK • Das Jahr ist noch nicht vorbei und trotz der Zahlen hoffen wir auf das zweite Halbjahr. Fakt ist, dass die bisherigen Zahlen besser sind als im Vergleich im Vorjahr. Aber bei den Kunden ist nach wie vor eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Politik und Hersteller haben in die E-Mobilität gedrängt, aber diese Erwartungshaltung können vor allem die Privatkunden noch nicht im erhofften Maße mittragen.

Mit 1. Juli 2025 ist die Abschaffung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) für leichte Nutzfahrzeuge wirksam geworden. Dies soll eine Entlastung für Handwerksbetriebe bringen und den Markt beleben. Das Autohaus Ford Gaberszik zählt neben Privatpersonen auch Gewerbebetriebe zu seinen Kunden. Was erwarten Sie von dieser neuen Regelung?SONJA GABERSZIK • Diese Entlastung belebt den Markt und schürt die Hoffnung auf neue Impulse, wie etwa eine Zunahme des Absatzes in diesem Segment. Das Land befindet sich das dritte Jahr in Folge in einer Rezession, das letzte Jahr war schwierig. Insofern brauchen wir die Investitionen aus dem Handwerk. Dieses war immer eine wichtige Säule in unserer Unternehmensgeschichte.

Inflation und Wirtschaftskrise prägten die letzten Jahre. Als Ihr Großvater August Gaberszik am 19. Oktober 1925 in der Schönaugasse seinen Betrieb eröffnete, waren die Zeiten extrem herausfordernd. Wissen Sie, warum er den Schritt gewagt hat?MG • Unser Großvater wurde in Marburg geboren, das damals noch zu Österreich gehörte. Er machte eine Lehre bei Steyr-Daimler-Puch und hat im Zuge der Wirtschaftskrise wie so viele seine Anstellung verloren. Daraufhin ging er in die Selbstständigkeit, gründete eine Werkstatt und reparierte die Modelle von Steyr-Daimler-Puch. Es war sicher ein Wagnis, vor allem wenn man bedenkt, dass die herausfordernden Zeiten noch kommen sollten. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele seiner Mitarbeiter eingezogen und sind gefallen. Es waren emotionale Jahre, die er mit der Firma überstanden hat. Bis zu seinem Tode war er immer in der Werkstatt.

Ihr Vater Alfred und sein Bruder Gustav starteten 1954 ihre Rennfahrer-Karriere. Gleichzeitig spezialisierte sich die Firma auf Fahrtenschreiber.SG • Beide hatten ihren Platz bis 1967 im Werkscockpit von Saab und wurden während dieser legendären Rallye-Zeit viermal Staatsmeister. Mit ihrer Automobil-Leidenschaft preschten sie zwischen Rennstrecken und Betrieb hin und her. Die Spezialisierung auf die Reparatur von Fahrtenschreibern war damals noch hochkomplex. Man musste dafür eigentlich ein Uhrmacher sein.

1972 wurde der Werkstättenvertrag mit Ford unterzeichnet, im gleichen Jahr verstarb der Großvater. Wie ging es weiter?MG • Mein Vater und unser Onkel hatten zu diesem Zeitpunkt schon Erfahrungen gesammelt. Sie konzentrierten sich weiterhin auf den Einbau und die Reparatur von Fahrtenschreibern in sämtlichen Automarken. Nach dem Ableben unseres Onkels führte der Vater dann den Betrieb allein weiter.

Völlig überraschend stirbt 1987 Ihr Vater. Von einem Tag auf den anderen wurden Sie Eigentümer eines Autohauses mit vier Mitarbeitern und einem Lehrling. Der Plan war vermutlich ein anderer.MG • Zu diesem Zeitpunkt war meine Schwester gerade mit dem BWL-Studium fertig und ich noch mitten im Jus-Studium. Rückblickend hatten wir keine Ahnung, wie es weitergeht. Gemeinsam mit unserer Mutter standen wir in einer Firma mit drei Mitarbeitern in der Werkstatt, einem Lehrling und einer Sekretärin. Damals haben uns viele geraten, den Betrieb zu verkaufen. Aber wir wollten es probieren. Bis zu einem gewissen Grad aus Verantwortungsgefühl, aber auch weil der Wille da war. Ich ging in den Verkauf, meine Schwester machte die Ausbildung zum Kfz-Meister, unsere Mutter stand dem Betrieb als Seniorchefin vor, hielt uns den Rücken frei und kümmerte sich um meine Kinder.

Die Händler-Kooperation mit Ford folgte 1993. Damals gab es noch keinen Online-Verkauf. War der Autohandel früher persönlicher?SG • Ford suchte einen Händler für die Marktabdeckung und daraufhin folgte unsere Bewerbung. Wir hatten weder einen Schauraum noch die räumlichen Voraussetzungen dafür, sondern ein Büro mit zwei Zimmern. Aber die notwendigen Auflagen für den Händlervertrag wurden erfüllt, und die rund 270 Einheiten, die Ford am Markt fehlten, verkauften wir. Mit viel Elan ging es dann relativ zügig weiter. Über viele Jahre hinweg konnten wir alleine im Neuwagen-Segment einen jährlichen Absatz von bis zu 800, in Spitzenzeiten sogar über 1.000 Einheiten verzeichnen.MG • Der Online-Verkauf in der Automobilbranche ist überschaubar. Das kann man an einer Hand abzählen und davon kann man nicht überleben. Das Auto hatte immer schon einen hohen emotionalen Wert und dahingehend sind gewisse Faktoren wie etwa eine Probefahrt nach wie vor entscheidend. Nicht wegzudenken ist das persönliche Verhältnis zu den Kunden, dass die digitale Welt nicht ersetzen kann.

Sie arbeiten nun seit 38 Jahren täglich zusammen. Automatisieren sich die jeweiligen Aufgaben nach so langer Zeit im Geschäft?MG • Wir sind zwei unterschiedliche Menschen, aber jeder hat von Beginn der Zusammenarbeit an seinen Bereich gefunden. Als meine Schwester als fertige Akademikerin mir während ihrer Lehre zur Kfz-Meisterin mit dem Schweißhelm und der Schürze entgegenkam, wäre ich am liebsten davongerannt. Ich hingegen bin eher die Extrovertiertere und ging in den Verkauf. Somit haben wir uns bestens ergänzt. Abgesehen von den Unterschieden haben wir absolutes Vertrauen zueinander. Entscheidungen wie Investitionen werden von uns gemeinsam getroffen. Berater waren noch nie notwendig.

Insgesamt machen elektrifizierte Fahrzeuge bereits 58 Prozent aller Neuzulassungen in der Steiermark aus. Das Angebot der E-Mobilität ist enorm. Welche Rolle spielt die Markentreue bei alternativen Antrieben?MG • Treue zur Marke war in der Vergangenheit stärker verankert als heute. Früher gab es Kunden, die vom Erstkauf bis zur Pensionierung immer Ford gefahren sind. Die Entwicklung hat meiner Meinung nach auch mit der Vielzahl an Modellen zu tun. Vor 30 Jahren gab es gerade einmal fünf Modelle, heute bringt eine Marke nahezu 20 verschiedene Modelle in fünf Jahren auf den Markt. Im Nutzfahrzeugbereich steht Ford seit Jahren an der Spitze bei den Zulassungen. Mehr als die Hälfte unseres Absatzes basiert auf diesem Segment. Modelle wie der Ford Pick-up-Ranger oder Transit sind nach wie vor stark gefragt.SG • Als Händler muss man auf die Gegebenheiten dementsprechend reagieren. Es ist ein Auf und Ab. Seit 1. April dieses Jahres gibt es rund 30 Prozent weniger Ford-Händler in Österreich. Auflagen und Ansprüche an den Verkauf sind stets gestiegen. In Feldbach sind wir 20 Jahre lang über einen Agenturvertrag vertreten, ebenso seit dem Frühjahr in Deutschlandsberg.

Heute verkauft das Autohaus Ford Gaberszik gemeinsam mit seinen Partnern im Neu- und Gebrauchtwagensegment rund 1.300 Einheiten jährlich und beschäftigt in der vierten Generation 40 Mitarbeiter. Viele Familienunternehmen haben ein Problem mit der Nachfolge. Warum hat es bei Ihnen funktioniert? MG • Es ist ein Glücksfall, der nicht erzwungen werden kann. Meine Kinder sind mittlerweile beide Gesellschafter im Unternehmen. Die Tochter kümmert sich um das Marketing, der Sohn hat Automobilkaufmann gelernt und ist derzeit beim Heer. Auch unsere Mutter ist mit ihren 94 Jahren noch Gesellschafterin. Voller Einsatz und die Überzeugung, etwas weiterzubringen und auf dem Bestehenden aufzubauen, sind die Voraussetzung für eine gelungene Fortsetzung. Und diese wird folgen.

Fotos: Benjamin Gasser, Autohaus Ford Gaberszik

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